Präzision unter Hochdruck

Westfalen-Blatt, 27.07.2016

Präzision unter HochdruckAus der Luft sieht das Technologiezentrum einem Raumschiff nicht unähnlich. Und tatsächlich: Hinter der blau verglasten Fassade des futuristischen Baus wird stetig an Innovationen gearbeitet – damit das Familienunternehmen sich auch in Zukunft gegenüber der internationalen Konkurrenz behaupten kann.

Der Arbeitsminister kam auf Einladung des SPD-Ortsvereins Werther und des Landtagsabgeordneten Georg Fortmeier. Bei der Betriebsführung zeigte Verkaufs- und Marketingdirektor Andreas Homann Minister Rainer Schmeltzer und den SPD-Kommunalpolitikern die Kreativzentrale des Konzerns. »Wir entwickeln hier einzigartige Technologien«, erklärte Homann. »Alle Prototypen aus dem Wertheraner Zentrum werden 1:1 in die Serienproduktion übertragen.« Die findet allerdings in einem Standort in Ungarn statt. Denn: »Die wettbewerbsfähige Herstellung von Hightech-Produkten ist in Deutschland nicht mehr möglich«, betonte Geschäftsführer Christian Potthoff-Sewing. Gerade in der Automobilbranche, für die Poppe & Potthoff ein wichtiger Zulieferer ist, sei der Preisdruck äußerst hoch.

Die Firma stellt als Spezialist für Hochdrucktechnik Präzisionsstahlrohre, Maschinen oder Komponenten für Brems- oder Einspritzsysteme im Automotive-Bereich her. Ihr Steckenpferd sind allerdings die »Common Rail«-Subsysteme für leistungsstarke Dieselmotoren im Pkw-, Nutzfahrzeug- und Schifffahrtsbereich.

Poppe & Potthoff ist das, was man in der Wirtschaft einen »Global Player« nennt: Das Unternehmen hat an 15 Standorten – vier in Deutschland und elf weitere in Europa, China oder den USA – insgesamt 1300 Mitarbeiter. In Werther beschäftigt das Unternehmen, das 1928 als Rohrwerk gegründet wurde, 185 Mitarbeiter. Und ist damit größter Arbeitgeber der Stadt.

»Wir sind seit Jahren der einzige Rohrhersteller, der jedes Jahr Geld verdient«, sagte Christian Potthoff-Sewing über das tendenzielle Wachstum von zehn Prozent bei einem Umsatz von rund 170 Millionen Euro. Als Zukunftsmarkt – gerade in Nordamerika – haben die Wertheraner Einspritzsysteme für gasbetriebene Fahrzeuge ausgemacht. Auch dabei ist äußerste Präzision gefordert: Die Stahlrohre haben einen Innendurchmesser von drei bis sechs Millimetern.

Und nicht nur die Firmenzentrale sieht aus wie ein Raumschiff: Schon jetzt testet Poppe & Potthoff im All. In einem Trainingsgerät der ISS ist eine Sicherheitskupplung der Firma verbaut.

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