OWL mahnt Ruhrgebiet zu Teamarbeit

Wirtschaftsentwicklung Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsbosse erklären, inwiefern sich das Revier von der Region Ostwestfalen-Lippe „eine Scheibe abschneiden“ kann
Haller-Kreisblatt, 13.7.2016

Mehr als jedes andere Bundesland steckt NRW in einer wirtschaftlichen Umgestaltung. Mittelgroße Unternehmen müssen längere Schwächephasen und massive Umsatzeinbrüche großer Konzerne auffangen. Insofern ist das Nullwachstum in NRW nach Einschätzung einiger SPD Politiker im Landtag sogar „eine großartige Leistung“ – zumal das bevölkerungsreichste Bundesland enorm von der gebeutelten Grundstoffindustrie geprägt sei, ob in der Stahlindustrie, der Mineralölverarbeitung oder Chemie.
Mit Blick auf die ökonomischen Schwierigkeiten des Ruhrreviers mahnten die SPD Abgeordneten aus OWL nun zu einem Mentalitätswandel. Jürgen Berghahn stellte am Rande einer Wirtschaftstour durch Lippe die „Verbundenheit der Firmen zur gesamten Region“ heraus; sie hätten „den Strukturwandel mit eigenen Kräften gestemmt“. Dies gelinge nur mit einem „hohen Maß an Identifikation“, meint auch der ostwestfälische SPD Landtagsabgeordnete Georg Fortmeier. Er riet dazu, „über die Grenzen von Städten und Fakultäten hinaus miteinander zu reden“.
Rückhalt finden die Politiker im Wissenschaftsbetrieb. „Science- und Business- Strukturen arbeiten hier auf dem Campus eng zusammen“, erklärte Stefan Witte, Vizepräsident für Forschung und Technologietransfer an der Hochschule Ostwestfalen- Lippe in Lemgo. Das gebe es nur an wenigen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Ganz ähnlich sieht man die hiesigen Vorzüge des Standorts gegenüber anderen Regionen in der Wirtschaft.
Gunther Olesch, Geschäftsführer bei Phoenix Contact, hebt die Geradlinigkeit hervor: Mit It’s OWL verfüge Ostwestfalen- Lippe über „ein Netzwerk, auf das man sich verlassen kann“. Außerdem, so Olesch, helfen einem Städte und Gemeinden in der Region schnell und unbürokratisch bei Unternehmensentscheidungen.
„Davon kann sich Gelsenkirchen oder Oberhausen eine Scheibe abschneiden“, sagt er.
Wie NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) kritisierte Olesch, der selbst aus Bochum stammt, die Gläubigkeit des Ruhrgebiets an industrielle Großstrukturen.
Kapitalgesellschaften ginge es jedoch nur selten um soziale Verantwortung und nachhaltiges Wirtschaften für eine Region, sondern um Rendite. „OWL ist dagegen vor allem wegen seines Mittelstandes erfolgreich, seiner vielen Familienunternehmen, die sich gegenseitig unter die Arme greifen.“
Eine wirtschaftliche Kooperation gelinge bereits mitunter ganz gut – etwa mit Blick auf das „Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 West“, das vom Bund mit 7,4 Millionen Euro gefördert wird, und sich auf drei Plattformen konzentriert: OWL, Rheinland und die „Metropole Ruhr“.

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