Pressespiegel:
Das Wäldchen ist weg
Klasings Forst: Stiftung ließ Bäume fällen / Fortmeier: Baugebiet wird es nicht geben
© 2010 Neue WestfälischeBielefelder Tageblatt (MW), Samstag 14. August 2010
Hoberge-Uerentrup. Anlieger reagierten äußerst erstaunt: Das Waldstück auf Klasings Feld neben dem Feuerwehrgerätehaus an der Dornberger Straße ist in dieser Woche abgeholzt worden – ohne dass Nachbarn oder Politiker davon Bescheid gewusst haben. Pikant ist die überraschende Fällung, weil die Eigentümer hier ein neues Baugebiet planen, dem die Stadt aber bisher die Zustimmung verweigert.
Die Klasingsche Familien-Stiftung, der das ein Hektar große Gelände gehört, und das Architektenbüro Joachim Oehme haben ein Konzept für eine Öko-Siedlung vorgelegt. Der Standort sei günstig, weil hier ein kleines Geschäftszentrum mit Supermarkt (Jibi), Ärztehaus und Apotheke sowie eine Bushaltestelle direkt gegenüber liegen.
Doch die Bezirksvertretung Dornberg lehnte mit Mehrheit aus SPD, Grünen und BfB das Projekt aus Umweltschutzgründen ab, ebenso der Landschaftsbeirat. Das Areal liege zu dicht am Teutoburger Wald, stehe unter Landschaftsschutz und sei fürs Klima wichtig. Der für Bebauungspläne maßgebliche Stadtentwicklungsausschuss vertagte das Thema, das seitdem auf Eis liegt. Die Betreiber werben aber weiter dafür.
Ein schöner Wald war die Schonung nicht. Vor 40 Jahren waren hier Weihnachtsbäume gepflanzt worden, die aber stehen blieben. „Irgendwann waren sie zu groß“, sagte Christoph Klasing. Sie wuchsen weiter, ohne gepflegt zu werden. Viele Bäume waren umgeknickt.
Vor wenigen Monaten hätte sich der Landesbetrieb Straßen, der für die Dornberger Straße zuständig ist, gemeldet, weil die Bäume eine Gefahr für Autofahrer darstellten, erklärte Klasing. Daraufhin habe sich die Stiftung entschlossen, die Bäume alle zu fällen: „Denn die Holzpreise sind derzeit hoch. Da lassen sie sich gut verkaufen.“
Die Politiker zeigten sich Freitag überrascht, dass „vollendete Tatsachen geschaffen worden sind“, wie es Horst Grube (SPD) ausdrückte. In der SPD war das Thema zwar umstritten. Aber weil die Ampel-Koalition Einstimmigkeit anstrebt und die Grünen das Projekt ablehnen, habe man die Beratung vertagt. Grube: „Ich gehe davon aus, dass erstmal nichts passiert.“
Das ist es aber doch. Zumindest ist das Grundstück jetzt für eine Bebauung frei. Auch Bezirksvorsteher Hermann Berenbrinker (CDU) erfuhr erst durch Dornberger, die dort vorbeifuhren, dass die Bäume gefällt sind: „Die Bezirksvertretung hatte mit Mehrheit abgelehnt. An der Sachlage hat sich bisher nichts geändert.“
Georg Fortmeier (SPD), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, erklärte am Freitag: „Eine Bebauung wird es hier nicht geben. Die Verwaltung muss dafür sorgen, dass wieder aufgeforstet wird.“ Fortmeier erinnerte dabei auch an den Fall des ehemaligen Forstamtes, ebenfalls an der Dornberger Straße, wo der Investor alte Bäume fällen ließ, ohne eine Genehmigung zu haben.