Pressespiegel:

  • 30. Juli 2010

Ärger im Sportpark

Vertreter des SV Gadderbaum erklären der SPD-Ratsfraktion ihre Nöte

© 2010 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Freitag 30. Juli 2010

Gadderbaum. Der Regen der vergangenen Tage reichte nicht aus, um der SPD-Ratsfraktion die ganze Wahrheit zu zeigen. Die Drainage, die von Oktober bis April im Sportpark Gadderbaum am liebsten eines tut: versagen – sie war jetzt immerhin in der Lage, alles abzuführen. Staut sich das Wasser auf den Lehmböden, ist sie regelmäßig chancenlos. Seit Jahrzehnten.

Schnell wurde den Politikern bei einem Vor-Ort-Termin klar, dass es Handlungsbedarf gibt. Georg Fortmeier, Chef der Ratsfraktion und Landtagsabgeordneter, versprach einen runden Tisch mit Politik, Dezernent, Sportamt, Schulamt, Sportvereinen, Bethel. Bethel ist Eigentümer, hat die Flächen bis 2030 per Erbpacht an die Stadt vergeben.

Der Hintergrund der Debatte: Weil der Sportplatz Bolbrinker Regenrückhaltebecken für die Weser-Lutter werden soll, will der dort spielende SuK/Canlar in der Sportpark ausweichen. „Geht nicht“, sagt Hans-Dieter Buschkamp, Schatzmeister des hier bisher alleine heimischen SV Gadderbaum. „Vier Mannschaften wollen die melden, die können hier niemals alle trainieren und spielen.“

Ihn packt schnell die Wut, redet er über das Sportamt, den Umweltbetrieb und andere städtische Einrichtungen. „Immer nur reden, aber nicht einen kompetenten Ansprechpartner haben“, sagt er. Und er wundert sich: „Wenn der Bolbrinker zu Geld gemacht wird, dann wäre es doch nur in Ordnung, dieses in den Sportpark zu investieren.“

Er wünscht sich, was sich viele wünschen: endlich einen fast immer bespielbaren Kunstrasenplatz. „Aber bitte mit Laufbahn, das ist hier bei der Anlage Ende der 60er Jahre Konzept gewesen.“

Barbara Schneider, ehemalige Bezirksvorsteherin in Gadderbaum, ergänzt den Wunsch: „Leichtathletik muss hier stattfinden können – und wenn ich mir ansehe, dass Zentren für eine sportliche Multinutzung entstehen sollen, dann wäre der Traum hier ein Sportzentrum.“ Oben das Freibad, daneben die ungenutzte Hallenbadfläche, der Sportpark mit Platz und Halle und etwas weiter der kleine Bethelsportplatz – für Schneider könnte „auf Vorhandenem aufgebaut werden“.

Doch es fehlt Geld. Im noch nicht verabschiedeten Sportstättenentwicklungsplan wird den Gadderbaumern zwar ein Bedarf – resultierend aus deutlich frequentiertem Platz und miesem Zustand des Feldes – zugestanden, doch es reicht nicht für einen der Spitzenplätze auf der Skala des Grauens. Und so sind die 1,5 bis 2 Millionen Euro für den Kunstrasen nicht in Sicht. Der zweite SVG-Platz, der Dreesgen, landet hier in der Rubrik „geringe Auslastung, guter Zustand“ – ist aber ein Rasenplatz und damit zu oft nicht bespielbar; im vergangenen Winter von Oktober bis April.

Sportamtsleiter Gerhard Bockermann sagte dazu im April bei einer Sitzung der Bezirksvertreter: „Nur hochausgelastete Felder werden zu einem Kunstrasen ausgebaut, wenn der Bolbrinker wegfällt und SuK/Canlar in der Sportpark wechseln, wäre dieser gut ausgelastet und ein Ausbau überlegenswert.“ Die Grenze für eine hohe Auslastung liege bei etwa 20 Mannschaften – in Gadderbaum sind es derzeit 13, vier kämen von SuK/Canlar hinzu. Bei dieser Rechnung verweist Barbara Schneider aber auch auf die starke Jugendabteilung des SVG mit gut 200 Mitgliedern – und Bethel-Ortschaftspfleger Paul-Friedrich Klein ergänzt das um die Schüler der Bodelschwinghschulen sowie die jährlichen Bethel Athletics, an denen mehr als 1.000 Sportler mit Behinderung teilnehmen.

Für Georg Fortmeier ist die Lage im Sportpark eine Sondersituation – weil sie an den Bolbrinker gekoppelt ist. Den Aufstellungsbeschluss für das Regenrückhaltebecken im Bebauungsplan verweigerten die Bezirksvertreter im April fast geschlossen – sie blockieren auf diese Weise das Aus des Bolbrinker. Und sie warten nun auf Signale vom gegründeten „Runden Tisch Fußball“ (Vereine, Stadtsportbund, Schul- und Sportausschuss, Behinderten- und Migrationsbeirat), der die Sportstättenentwicklungsplanung begleitet.

Ein Signal wird es nach heutigem Stand nicht geben: Dass, das sich Bethel oder die Vereine an den Kosten beteiligen. „Höchstens mit anfassen, das könnten wir“, so Buschkamp. Von SuK/Canlar habe er in dieser Hinsicht nichts gehört, verwundert ist er, „dass die jetzt den Wiehagen als Sportplatz nicht mehr wollen“. Getroffen aber hat sich der SVG mit dem Fusionsklub auch noch nicht, und auch beim Treffen der SPD waren die Kicker-Kollegen nicht eingeladen.